Historisches

Bayern um 1500Die Zeit, die unser Verein darstellt, ist eine sehr bewegte. Es ist etwa der Zeitraum zwischen 1500 und 1550. Es war eine Epoche großer Veränderungen; es waren die Jahre der Entdeckung Amerikas, der Reconquista in Spanien, des deutschen Bauernkrieges, der großen Kriege in Italien, der Reformation und vieler anderer Ereignisse.

Diese "Neue Zeit" nannte man die Renaissance, was soviel bedeutet wie Wiederbelebung oder Rückwendung, weil man sich dem dunklen Mittelalter ab - und der lichten römischen oder griechischen Antike zuwandte. Die Renaissance begann etwa Mitte des 15. Jahrhunderts in Italien, von wo aus sie sich mit einiger Verspätung über ganz Europa ausbreitete.

Vor allem war es auch eine Zeit, in der eine neue Geisteshaltung aufkam. Die Vertreter dieser neuen Geisteshaltung, Humanisten genannt, erstrebten die Ausbildung des ganzen Menschen, nicht nur seiner Seele, sondern auch seines Leibes. Alles Schöne, Wahre und Gute sollte das Ziel der Bildung sein.

Dieses Ziel sollte erreicht werden durch die Wiederbelebung der römischen und griechischen Antike und der Befreiung des Geistes von den kirchlichen Vorgaben in Wissenschaft und Kunst.

Kaiser Maximilian I.Nach dem Tod Herzog Georgs des Reichen im Jahre 1503 begann der Landshuter Erbfolgekrieg, in dessen Folge Bayern sehr verheert wurde. Auf der einen Seite standen die "Pfälzer Wittelsbacher" verbündet und unterstützt von böhmischen Soldtruppen, geführt von dem grausamen Georg von Wyspeck, dem einstigen Feldhauptmann Georg des Reichen, auf der anderen Seite das kleine Herzogtum Oberbayern - München, das sich jedoch beizeiten die Unterstützung Kaiser Maximilians I. gesichert hatte. Der lies sich diese Hilfe, durch die Abtretung der Besitzungen um Kufstein und Rattenberg in Tirol, jedoch teuer bezahlen.

Burghausen wurde durch einen Überraschungsangriff Pfälzischer Truppen eingenommen; das Schlimmste aber für unsere Stadt war 1504 der große Stadtbrand, der Dreiviertel unserer Heimatstadt in Schutt und Asche legte. Der Brand war so heftig, dass man den Feuerschein noch bis Schärding sehen konnte. Sogar Kanonen des großen Belagerungsparks der Pfälzer, die auf dem Stadtplatz aufgestellt waren, sollen durch die große Hitze geschmolzen sein.

Albrecht IV.Nachdem endgültigen Sieg Albrechts IV. (1447 - 1508), des Herzogs von Oberbayern München, wurde Bayern wieder vereint. Herzog Albrecht IV. verkündete 1506 das sogenannte "Primogeniturgesetz" das besagte, dass Bayern künftig nicht mehr geteilt werden dürfte.

Der Erstgeborene sollte jeweils Herrscher werden, die Nachgeborenen führten den Titel eines Grafen. Bereits 1508, beim Tode des Herzogs, stand das Gesetz vor seiner größten Feuerprobe. Die Mutter Herzogin Kunigunde und die Landstände waren der Ansicht, das Land müsste unter den 3 Söhnen Wilhelm, Ludwig und Ernst aufgeteilt werden.

Herzog Ludwig X.Doch unser Herzog Wilhelm IV. ist ein zäher Taktiker. Seinen jüngeren Bruder Ernst (1500 - 1560) konnte er von den Vorteilen eines Bischofsamtes überzeugen. Er wurde bereits mit 15 Jahren Bischof von Salzburg. Ludwig und Wilhelm kamen am 20.11.1514 überein, in den nächsten Jahren bei getrennter Verwaltung gemeinsam zu regieren.

Herzog Wilhelm IV.Herzog Wilhelm IV. (1493 - 1550) residierte in München, Herzog Ludwig X. (1495 - 1545) in Landshut. Während Wilhelm IV. in München regierte, er trug nicht umsonst den Beinamen der "Standhafte", amüsierte sich Ludwig X. in Landshut. Er war für alles Schöne empfänglich, was unter anderem auch auf seine Erziehung zurückzuführen war.

Einer seiner berühmtesten Lehrer war Johannes Thurmair (1478 - 1534), genannt Aventinus. Doch auch der große Humanist Dietrich von Plieningen, weiter Hans Leinperger, der bedeutende Holzschnitzer, waren ihm willkommene Gäste.

Einer seiner liebsten Gäste in Landshut aber war dem Herzog der Geograph und Astronom Peter Apian (1501 - 1552). Apian zeichnete eine der ersten Landkarten Bayerns. Durch die Vielzahl seiner Werke wurde er so berühmt, dass ihn Kaiser Karl V. sogar adelte. In Landshut erinnert heute noch die sich im Innenhof der Burg Trausnitz befindende Sonnenuhr an Apian. Sie wurde 1524 von ihm entworfen.

Herzog Ludwig hatte aber nicht nur Gefallen an der Kunst sondern auch am Jagen, Reiten, Essen und an schönen Frauen, er war aber auch ein sehr kriegerischer Herrscher, der in vielen Feldzügen Befehlshaber des Bayerischen Heeres war.

Herzog Wilhelm IV. hatte also Glück, sein Bruder überließ ihm alle wichtigen Amtsgeschäfte. Das 1516 von ihm erlassene "Reinheitsgebot", das besagt, dass zum Herstellen von Bier lediglich Wasser, Malz, Gerste und Hopfen verwendet werden dürfte, gilt als das erste Lebensmittelgesetz. Es besitzt heute noch volle Gültigkeit.

Jakobäa von Baden1522 heiratet er mit 29 Jahren die fünfzehnjährige Prinzessin Jakobäa von Baden (1507 - 1580); es wurde eine sehr harmonische Ehe. Im eigenen Land erfreute sich der Herzog allerdings keiner besonderen Beliebtheit. Zu hoch waren die Steuern und Abgaben. Viele Bauern hatten oft nicht einmal das Notwendigste zum Leben.

Martin LutherEines der wohl wichtigsten Ereignisse, das in ihre Regierungszeit fiel, ist die Reformation. Als Martin Luther im Jahre 1517 seine revolutionären 95 Thesen verkündete, sprang der Funke auch schnell nach Bayern über. Ausschlaggebend für den Anschlag der Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg war der Missbrauch mit dem Ablass.

Papst Leo X. hatte 1515 den Ablass zum Neubau des Petersdomes in Rom erneuert. Der bekannteste "Ablasskrämer" war der Dominikanermönch Johann Tetzel. Sein wohl berühmtester Ausspruch war: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt". Damit konnte man sich also bei Kirchenraub und Meineid für 9 Dukaten und für einen Mord mit 8 Dukaten von der begangenen Sünde freikaufen.

1520 erschienen die wichtigsten Werke Luthers, u.a. die Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Diese begann mit dem Satz "Ein Christenmensch ist ein Herr über alle Dinge und NIEMANDEM untertan". Die Schriften, die Martin Luther, was ganz wichtig war, alle in deutscher Sprache verfasste, verbreiteten sich mittels des Buchdruckes in Windeseile durch ganz Deutschland.

Kaiser Karl V.Die bayerischen Herzöge nahmen daraufhin eine Reform der Geistlichkeit vor und erließen ein Religionsedikt. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 lehnte Luther den Widerruf ab. Kaiser Karl V. verwarf Luthers Lehre und erlässt am 26.05.1521 das Wormser Edikt, in dem er über Luther und seine Anhänger die Reichsacht verhängte.

In seinem Versteck auf der Wartburg bei Eisenach übersetzte Martin Luther das neue Testament in nur 11 Wochen aus dem Griechischen in das Deutsche. Dieses Werk erschien 1522 als sogenannte "Septemberbibel" im Druck und fand reißenden Absatz.

In Nürnberg bekennt Albrecht Dürer, Luther habe ihm "aus großen Ängsten" geholfen, Hans Sachs dichtet spöttische Verse auf die Katholiken und ihre Priester, in Regensburg forderte man einen protestantischen Priester, und sogar in München und Passau wurden die Thesen Luthers vertreten.

1524 erließen die bayerischen Herzöge ein weiteres Religionsedikt: "Landgebot wider die Lutherische Sekte". Es folgten viele Gefangennahmen und Verbannungen.

Leonhard von EckBesonders ein Mann war der konsequenteste Verfechter der katholischen Lehre, der herzogliche Kanzler Leonhard von Eck (1480 - 1550). Er erwies sich als harter Kämpfer, der den Protestanten arg zu schaffen machte. Er war es, der zusammen mit Herzog Wilhelm IV. die Jesuiten nach Bayern holte. Da er in der Reformation eine Gefährdung der Obrigkeit sah, setzte er alles daran, dass Bayern katholisch blieb.

Rund um Bayern jedoch gärte es und die alte Gesellschaft sollte ihrem Untergang entgegengehen. Der große deutsche Bauernkrieg von 1525 war nur der Höhepunkt einer mehrere Jahrzehnte andauernden Epoche des Aufruhrs.

Die bekanntesten Führer der Bauernaufstände in Mitteldeutschland waren Thomas Münzer (1489 - 1525) und Florian Geyer (1490 - 1525). Sie waren die Führer der sich auf die lutherischen Lehren berufenden Kräfte. Diese forderten gerechtere Verhältnisse, auch wenn nötig durch den Sturz der Obrigkeiten.

In der Schlacht bei Frankenhausen wurden die aufständischen Bauern jedoch durch das Heer des Schwäbischen Bundes vernichtend geschlagen. An der Spitze dieses Heeres stand Truchseß Georg von Waldburg. Als diplomatisches Haupt des schwäbischen Bundes lehnte der bayerische Kanzler Leonhard von Eck eine vertragliche Lösung mit den aufständischen Bauern strikt ab ( "Die Bauern sind voller Teufel, so ist ihnen nicht zu trauen"). Die von Georg von Waldburg geleitete blutige Rache an den Bauern brachte ihm die Bezeichnung "Bauern - Jörg" ein. Der Aufstand kostete in nur zwei Jahren weit mehr als 100.000 Bauern das Leben.

Der ausgebrochene Bauernkrieg konnte dem Herzogtum Bayern nichts anhaben, da für eine schnelle militärische Sicherung der Grenzen gesorgt wurde. Dadurch wurde weitgehendst ein Übergreifen verhindert. Herzog Wilhelm IV. holte sogar 1.000 böhmische Knechte ins Land, um die Grenzen besser schützen zu können.

 Erzbischof Matthäus LangDer Aufstand der Bauern und Bergknappen gegen den Salzburger Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg war der für Burghausen gefährlichste. Die Aufständischen belagerten den Erzbischof unter Führung von Michael Gaismair, den sie im Mai des Jahres 1525 zu ihrem obersten Feldhauptmann gewählt hatten, auf seiner Festung Hohensalzberg.

Er hielt sich über 14 Wochen, bis ihn Herzog Ludwig an der Spitze des Entsatzheeres befreite. Herzog Wilhelm wollte zuerst neutral bleiben. Auf friedlichem Wege wollte er sich die Bauern vom Leibe halten. Doch begannen schon bald Bauern aus dem Umland zu den Aufständischen überzuwechseln. Um ein Übergreifen des Aufstandes auf das ganze Herzogtum zu verhindern, wurde zusammen mit dem Schwäbischen Bund beschlossen militärisch einzugreifen.

Georg von FrundsbergDer Oberbefehl über das Bundesheer übernahm Herzog Ludwig. Der militärische Oberbefehlshaber war jedoch Georg von Frundsberg (1473 - 1528). Er war aus dem Italienfeldzug, nach der gewonnen Schlacht bei Pavia 1525, als Sieger zurückgekehrt und war dank des beharrlichen Kanzlers Leonhard von Eck als Befehlshaber des Fußvolkes gewonnen worden. Georg von Frundsberg versammelte 8.000 Mann, nach der Vereinigung mit den erzbischöflichen Truppen 10.000 Mann stark, in Burghausen.

Die Felder vor den Mauern der Stadt verwandelten sich in ein riesiges Heerlager. Burghausen hatte sehr zu leiden, da eine Stadt mit 3.500 Einwohnern mehr als das Zehnfache an Menschen verpflegen musste. Zur Sicherung der Stadt und der Burg vor den Übergriffen eigener Truppen wurden ausgewählte Fähnlein als Besatzung in die Burg und Stadt beordert.

Das Heer bestand zum Teil aus Veteranen, die die Schlachten in Italien mitgemacht hatten, jedoch auch aus neu angeworbenen Landsknechten. Nach gründlicher Ausbildungszeit marschierte das Heer weiter Richtung Salzburg.

Doch auch auf Seiten der aufständischen Bauern standen altgediente Landsknechte, meist waren diese sogar deren Hauptleute. Georg von Frundsberg erwies sich auch diesmal nicht nur als genialer Feldherr, sondern auch als geschickter Diplomat. Er machte sich zunutze, dass einige Bauernführer bereits als Landsknechte unter ihm gedient hatten und überredete sie zur Aufgabe der Belagerung und zum friedlichen Abzuge.

Michael Gruber, Oberster der Bauern, legte Herzog Ludwig, dem obersten Feldhauptmann des Schwäbischen Bundes seine Waffen und die Fahnen der Bauern zu Füßen. Es kam ein Vertrag zustande, der für die Bauern recht günstig ausfiel, denn die Bauern erhielten ohne Ausnahme eine Amnestie.

Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 wird das evangelisch - lutherische Bekenntnis (Confessio Augustana) durch Kaiser Karl V. zurückgewiesen. Damit wird das "Wormser Edikt" bestätigt. Als Reaktion auf diese Bestätigung wurde 1531 durch die evangelischen Fürsten und Reichstädte der "Schmalkaldische Bund" gegründet. Der darauf folgende Krieg, der 1546 mit der Belagerung von Ingolstadt begann, endete mit der Niederlage der protestantischen Fürsten in der Schlacht bei Mühlberg/Elbe.

Herzog Wilhelm IV. blieb zwar neutral, Bayern hatte jedoch besonders unter den Durchmärschen fremder Kriegsvölker zu leiden. Durch unser Burghausen zogen im Sommer 1546 an die 3.000 Mann spanischer und italienischer Kriegsknechte. Ihr Befehlshaber war kein geringerer als Philipp de Lannoy, der Fürst von Sulmona.

Doch erst mit dem 1552 geschlossenen Passauer Vertrag und dem im Jahre 1555 geschlossenen Augsburger Religionsfrieden endete der erste Religionskrieg.

Die Bestimmungen des Friedens erlaubten den protestantischen Fürsten, in ihren Ländern die Reformation nach ihrem Ermessen durchzusetzen. Für Jahre wurde nun politischer Grundsatz, dass der, dem das Land gehöre, auch die Religion bestimmen könne ( Cuius regio, eius relegio). Das hieß, die Fürsten bestimmten die Religion und die Untertanen mussten gehorchen. Da die bayerischen Herrscher erzkatholisch waren, mussten auch die Untertanen zum katholischen Glauben zurückkehren.

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