Bardocucullus

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Wir sind eine Gruppe von Tagelöhnern. Unser Lager ist auf die Lebensumstände zugeschnitten, wie sie damals für arme Bevölkerungsschichten zutrafen. Unser Zelt stellen wir in kürzester Zeit völlig ohne Werkzeug auf; unsere Heimat ist überall, wo es Arbeit für uns gibt. Alle Utensilien sind soweit wie möglich nach historisch belegten Vorbildern gefertigt. So zum Beispiel der Vierhenkelkrug - er ist der "Dorfkirchweih" von Pieter Bruegel d. Ä. entnommen.

BardocucullusIn unserem Lager wird gerne musiziert und getanzt, gekocht und gespielt. Bei uns herrscht sozusagen Sonntagsstimmung nach einer harten Woche, in der alle guten Lohn bekommen haben.

Was hat es mit dem Zungenbrecher Bardocucullus für eine Bewandtnis? Der Bardocucullus ist nichts anderes als ein langer Umhang mit Kapuze, damals das unverzichtbarste Kleidungsstück der armen Leute. Er schützte im Winter vor Kälte und Wind, im Sommer vor Sonne und Regen. Des Nachts diente er als Zudecke auf dem Strohlager und tat schließlich seinem Besitzer am Ende eines kurzen, entbehrungsreichen Lebens in Ermangelung eines Sarges als Leichentuch seinen letzten Dienst.

Geschichtliches: In den Geschichtsbüchern findet man hauptsächlich Daten und Fakten über den Personenkreis, der "Geschichte geschrieben" hat, die "Oberen Zehntausend" sozusagen. Berichte über das Leben einfacherer Bevölkerungsschichten, die diese Geschichte ermöglicht haben, erschöpfen sich weitgehend in dem Sammelbegriff "Handwerker und Bauern". Für eine funktionierende gesellschaftliche Struktur war jedoch eine weitere, zahlenmäßig bedeutend stärkere Gruppe bis weit herauf in die Neuzeit unverzichtbar - die "Tagelöhner".

BardocucullusDiese Bevölkerungsgruppe wies eine sehr heterogene Struktur auf, rekrutierte sich aber vor allem aus nicht erbberechtigten nachgeborenen Bauern- und Handwerkerkindern. Ihr Auskommen fanden Tagelöhner natürlich zunächst in der Land- und Forstwirtschaft, vor allem als Erntehelfer und für Rodungsarbeiten. Der Lohn wurde - daher der Name - tageweise ausbezahlt und erschöpfte sich nicht selten in Kost und Logis.

Im ausgehenden Mittelalter und der Frührenaissance eröffneten sich den Tagelöhnern erheblich erweiterte Arbeitsmöglichkeiten. Bedingt durch die für die damaligen Möglichkeiten völlig überdimensionierten Kirchenbauten der Hochgotik wurde auf deren Jahrhundert-Baustellen eine immense Zahl an Arbeitskräften benötigt. Wenn Chroniken von Dutzenden von Maurern berichten, arbeiteten unter deren Anleitung oft mehr als hundert Tagelöhner in den Tretantrieben der Kräne, bauten Gerüste, schleppten Steine oder rührten Mörtel. Das wachsende Selbstbewusstsein der Fürsten der damaligen Zeit, verbunden mit einem übersteigerten Repräsentationsbedürfnis tat ein übriges, die Bautätigkeit zu beleben, da viele der alten Burgen zu großzügigen Schlössern umgebaut wurden.

Ein Beispiel dafür liefert uns die Burg zu Burghausen: während der Regentschaft Georgs des Reichen im ausgehenden 15. Jahrhundert - der Zeit, in der Hedwig von Polen hier residierte - wurden ein neuer Bergfried und der mächtige Eggenbergturm (vulgo: Pulverturm) errichtet sowie die Burganlage vom Georgstor nach Norden in ihrer heutigen Ausdehnung erweitert. Chronisten berichten, dass während dieser Zeit mehr als 1.000 Tagelöhner am Bau beteiligt waren und auf dem Burgberg und in der Umgebung hausten! Burghausen war in jenen Tagen die größte Festungsbaustelle in ganz Deutschland.

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